Behörde

KoSIT (Koordinierungsstelle für IT-Standards)

Definition

Die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) ist eine Einrichtung der Freien Hansestadt Bremen, die im Auftrag des IT-Planungsrats Bund und Länder Standards für die öffentliche Verwaltung entwickelt und pflegt. KoSIT ist u.a. verantwortlich für die Pflege des XRechnung-Standards, das Validierungstool „Validator“ und den Betrieb der nationalen Peppol-Infrastruktur in Deutschland.

Hintergrund & Kontext

Die KoSIT ist organisatorisch bei der Freien Hansestadt Bremen angesiedelt und handelt im Auftrag des IT-Planungsrats, des zentralen Gremiums von Bund und Ländern für die Steuerung der föderalen IT. Ihre Aufgabe ist die Entwicklung, Pflege und Bereitstellung von IT-Standards für die öffentliche Verwaltung. Im E-Rechnungsumfeld ist die KoSIT die maßgebliche Stelle: Sie pflegt den XRechnung-Standard inklusive der Schematron-Geschäftsregeln (EN-16931- und BR-DE-Regeln), veröffentlicht regelmäßig neue Versionen und stellt den offiziellen, quelloffenen „KoSIT Validator“ bereit, der als Referenzimplementierung für die Prüfung von E-Rechnungen gilt. Darüber hinaus fungiert die KoSIT als deutsche Peppol Authority und koordiniert die nationale Peppol-Infrastruktur. Wer eine XRechnung erzeugt, sollte sich an den jeweils aktuellen KoSIT-Veröffentlichungen orientieren, da diese die verbindlichen Validierungsregeln und CustomizationIDs definieren.

In der Praxis — ein Beispiel

Ein Softwarehersteller will sicherstellen, dass sein Rechnungsmodul valide XRechnungen erzeugt. Er lädt den quelloffenen KoSIT-Validator und das aktuelle Prüf-Szenario (die „validator-configuration-xrechnung“) herunter und prüft seine Testrechnungen automatisiert. Erscheint die Meldung „conformant“, entspricht das Dokument der aktuellen XRechnung-Version. Bei einer neuen XRechnung-Veröffentlichung der KoSIT (z.B. von 2.3 auf 3.0) aktualisiert er Konfiguration und CustomizationID, weil die Empfangsportale die alte Version nach Ablauf der Übergangsfrist ablehnen.

Häufige Fehler

  • Den KoSIT-Validator ohne die passende Konfigurationsdatei zu betreiben — die eigentlichen Prüfregeln stecken in der separaten validator-configuration, nicht im Validator selbst.
  • Veraltete Schematron-/Konfigurationsstände verwenden: Nach einem KoSIT-Update können bisher gültige Rechnungen plötzlich Fehler werfen.

Häufig gestellte Fragen

Ist der KoSIT-Validator kostenlos?

Ja, der KoSIT-Validator ist Open Source und kostenlos verfügbar. Er ist die offizielle Referenzimplementierung; viele kommerzielle Tools setzen dieselben Regeln um.

Wer legt die XRechnung-Regeln fest?

Die KoSIT pflegt im Auftrag des IT-Planungsrats die XRechnung-Spezifikation und die zugehörigen Schematron-Geschäftsregeln. Sie veröffentlicht die verbindlichen Versionen.

Verwandte Begriffe

XRechnungXRechnung ist der deutsche Standard für strukturierte elektronische Rechnungen im öffentlichen Auftragswesen (B2G). Er basiert auf der europäischen Norm EN 16931 und ist in zwei Syntaxen verfügbar: UBL 2.1 und UN/CEFACT CII. Seit dem 27. November 2020 sind öffentliche Auftraggeber des Bundes verpflichtet, elektronische Rechnungen im XRechnung-Format zu akzeptieren, und schrittweise wurden auch Landes- und Kommunalbehörden einbezogen.PeppolPeppol (Pan-European Public Procurement On-Line) ist ein internationales Netzwerk und eine Infrastruktur für den sicheren elektronischen Austausch von Geschäftsdokumenten, insbesondere Rechnungen und Bestellungen. Es basiert auf einem Vier-Ecken-Modell mit Access Points, einem zentralen Verzeichnis (SMP/SML) und standardisierten Dokumentenformaten (z.B. Peppol BIS Billing 3.0 auf Basis von UBL). In Deutschland betreibt die KoSIT das Peppol-Verzeichnis.SchematronSchematron ist eine regelbasierte Validierungssprache für XML-Dokumente, die auf XPath-Ausdrücken basiert. Im Kontext von XRechnung und EN 16931 werden Schematron-Regeln eingesetzt, um inhaltliche Plausibilitätsprüfungen durchzuführen, die über die reine Schema-Validierung (XSD) hinausgehen. Die offiziellen Schematron-Regeln für XRechnung werden von KoSIT gepflegt und sind Teil des Open-Source-Validators.ZRE (Zentrale Rechnungseingangsplattform des Bundes)Die Zentrale Rechnungseingangsplattform (ZRE) ist die offizielle Eingangsplattform für elektronische Rechnungen an Behörden der unmittelbaren Bundesverwaltung in Deutschland. Über die ZRE können Rechnungen direkt in einem Webformular eingereicht oder über etablierte Übertragungswege (Peppol, E-Mail, De-Mail, WebService) übermittelt werden. Betreiber ist die Bundesdruckerei.OZG-RE (OZG-konforme Rechnungseingangsplattform der Länder)OZG-RE steht für OZG-konforme Rechnungseingangsplattform und bezeichnet eine einheitliche Lösung zum Empfang elektronischer Rechnungen für Bundes- und Landesbehörden sowie Kommunen, die keine eigene ZRE betreiben. Sie wird für Rechnungen an Auftraggeber der mittelbaren Bundesverwaltung sowie für viele Landes- und Kommunalverwaltungen genutzt und ist eng mit dem Onlinezugangsgesetz (OZG) verknüpft.